Ausstellungen

    trans.ver '68

    trans.ver '68

    Ein Transformationsprozess
    künstlerischer Arbeiten aus '68

    trans.fer | Ausstellung von Art.iS 2008 ver.di trans.ver '68  – Flyer

    In Zusammenarbeit mit der Universität der Künste Berlin und der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

    Ausstellungseröffnung
    11. September 2008

    trans.fer 68 | Ausstellung von Art.iS 2008 K. Humml trans.ver '68'  – Prof. Wolfgang Hufschmidt zur Eröffnung
    • Begrüßung
      Klaus Humml, Art.iS
    • Einführung
      Prof. Wolfgang Hufschmidt und die Kuratorinnen Julia von Hasselbach, Elvira Hufschmid und Dr. Margit Schild

    Ausstellungsdauer
    12. September 2008
    bis 23. Oktober 2008

    Die dritte Kunstausstellung des Jahres 2008 bezieht sich auf die 68er-Bewegung.

    Im 40sten Jubiläumsjahr der Studentenbewegung und außerparlamentarischen Opposition ist schon viel darüber geschrieben und in den Medien gezeigt worden. Auch in der Kunst ist einiges in dieser Hinsicht präsentiert worden.
    Art.iS will sich mit der Ausstellung »trans.ver '68« in einer besonderen Weise mit »den 68ern« und der Kunst seit dieser Zeit auseinandersetzen.

    Beteiligte Künstlerinnen/Künstler

    trans.fer 68 | Ausstellung von Art.iS 2008 K. Humml trans.ver '68  – Einige der Exponate: Oehring/Ottersberg | Export | Donath

    68er Ausgangswerke

    • VALIE EXPORT:
      Tapp- und Tastkino
    • Sarah Haffner:
      Bildnis eines Bücherregals der bürgerlichen Linken
    • Wolfgang Hufschmidt:
      Meissner Tedeum
    • Helke Sander:
      Brecht die Macht der Manipulateure
    • Klaus Staeck:
      Das Neue PAL
    trans.fer 68 | Ausstellung von Art.iS 2008 K. Humml trans.ver '68  – »Transformationen«: Staeck – Mouratidi – Bodanowitz

    Künstlerinnen/Künstler
    der 1. Folgegeneration

    • bankleer
    • Monika Lilleike
    • Helmut Oehring /
      Thorsten Ottersberg
    • Katharina Karrenberg
    • Katharina Mouratidi
    trans.fer 68 | Ausstellung von Art.iS 2008 K. Humml trans.ver '68  – Monika Lilleike bei Ihrer Performance zur Ausstellungseröffnung

    Künstlerinnen/Künstler
    der 2. Folgegeneration

    Studierende und Absolven-
    ten
    der Universität der Künste Berlin sowie der Kunsthochschule Weißensee

    • Anja Bodanowitz
    • Joanna Coppi /
      Jenny Hauke
    • Gudrun Donath
    • Kerstin Honeit / Beathe Rathke
    • Nina Peter / Julia Rosshart
    • Janna Rehbein

     

     

      

    trans.fer 68 | Ausstellung von Art.iS 2008 K. Humml trans.ver '68  – Künstlerinnen/Künstler vor der Ausstellungseröffnung

     Materialien

    • Konzeption der Ausstellung

      In Zusammenarbeit mit der Universität der Künste Berlin  und der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, also den beiden großen Kunsthochschulen Berlins, wurde ein Ausstellungskonzept entwickelt, das folgender Idee folgt:

      Künstlerische Werke aus '68 bilden 40 Jahre später den Ausgangspunkt für einen Prozess der ästhetischen Transformation, indem sie den Interpretationen nachfolgender Künstlerinnen-/Künstler-Generationen überlassen werden.

      Im interdisziplinären Kunstprojekt trans.ver 68 bezieht jede/ jeder Teilnehmerin/Teilnehmer ihre/seine Inspiration aus der Arbeit der Vorgängerin / des Vorgängers. So entsteht eine Verkettung in der Reihe der transformierten Werke.

      Das Konzept fordert zu politisch wie künstlerisch völliger Freiheit des Arbeitens auf: Von Affirmation bis Aversion sind alle Reaktionen gleichermaßen erwünscht. Die Akteure treten in einen kollektiven Schaffensprozess ein und reflektieren dabei die Wirksamkeit künstlerischer Arbeiten aus '68.

      Das Konzept zu dieser Ausstellung wurde zusammen mit den drei Kuratorinnen

      • Julia von Hasselbach,
      • Elvira Hufschmid und
      • Dr. Margit Schild

      entwickelt, die zur Zeit eine Gastprofessur zu künstlerischen Transformationsprozessen an der UdK innehaben.

    • Klaus Humml: Zur Eröffnung der Ausstellung

      Meine Damen und Herren,
      liebe Kolleginnen und Kollegen,

      ich begrüße Sie/Euch sehr herzlich zur Eröffnung einer nicht ganz gewöhnlichen Ausstellung: »trans.ver `68«. Schon der Name ist Programm. Ich kenne kaum eine zweite Zahl in unseren Breitengraden, die einen so eindeutigen Bedeutungsinhalt hat, wie die Zahl 68.

      Ich darf mich jedoch zunächst kurz vorstellen: meine Name ist Klaus Humml, ich arbeite hier im Haus und bin einer derjenigen, die sich unter den Label »Art.iS – Kunst im Spreeport« das Ziel gesetzt haben, in unseren Räumen Kunst zu präsentieren.

      Art.iS – wer und was ist das?

      Art.iS, das sind drei Kollegen aus dem Haus und zwei KünstlerInnen, die es sich – wie gesagt – zum Ziel gesetzt haben, Kunst in unser Haus zu holen.

      Das machen wir aus mindestens drei Gründen:

      • ver.di beansprucht die Gewerkschaft der KünstlerInnen und Kulturschaffenden zu sein und vertritt in diesem Sinne deren berufliche Interessen
      • ver.di versteht sich als Teil einer gesellschaftspolitischen und Kulturbewegung und nimmt in diesem Zusammenhang direkt Einfluss auf die Kulturpolitik in diesem Land
      • Aus beiden Zusammenhängen heraus ist es nur folgerichtig, dass wir Platz bieten, um Kunst zu präsentieren und zur Auseinandersetzung damit und mit den Kunstschaffenden einzuladen.

      In diesem Sinne wollen wir auch wieder an eine Tradition anknüpfen, die vor allem in der Weimarer Republik gegeben war, als die Gewerkschaftshäuser Stätten kultureller und künstlerischer Auseinandersetzung waren. Zur damaligen Zeit haben viele namhafte KünstlerInnen mit den Organisationen der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung zusammengearbeitet, zum Beispiel viele der Künstler, die im Umkreis des Bauhauses tätig und engagiert waren.

      Mit einem besonderen Gruß möchte ich die anwesenden, beteiligte Künstlerinnen und Künstler dieser Ausstellung willkommen heißen, die zu einem späteren Zeitpunkt noch von den Kuratorinnen der Ausstellung vorgestellt werden.

      Und damit begrüße ich die drei Kuratorinnen der Ausstellung, die ich ihnen auch kurz vorstellen möchte: Die drei Kuratorinnen sind gemeinsam im Rahmen einer »Gastprofessur für Künstlerische Transformationsprozesse« der STILLE POST! Gruppe an der Universität der Künste Berlin beschäftigt.

      • Margit Schild
        ist von Hause aus Landschaftsarchitektin und arbeitet als Autorin sowie Projektkoordinatorin im Kunstkontext.
      • Elvira Hufschmid
        ist Videoinstallations-Künstlerin und Zeichnerin.
      • Julia von Hasselbach
        kombiniert in ihrer Arbeit die Fächer Violine, Musikpädagogik und Psychologie.

      Herzlich willkommen und schon einmal an dieser Stelle einen großen Dank für das Engagement und die geleistete Arbeit, die diese Ausstellung mit sich gebracht hat.

      Darüber hinaus begrüße ich herzlich den Komponisten und Redner für heute Abend: Wolfgang Hufschmidt, ... herzlich willkommen.

      • Wolfgang Hufschmidt
        war u. a. langjähriger Rektor der Folkwang Hochschule für Musik, Theater und Tanz in Essen sowie Präsident der Hanns-Eisler-Gesellschaft Berlin.

      Die Kuratorinnen lernte er als Jurymitglied bei der Vergabe des international ausgeschriebenen Karl-Hofer-Preises der UdK Berlin 2006 kennen, bei dessen Vergabe an die STILLE POST! Gruppe er die Laudatio gehalten hat.
      Für »trans.ver 68« hat er seine Komposition »Meissner Tedeum« als Ausgangswerk zur Verfügung gestellt und sich dankenswerter Weise bereit erklärt, heute Abend über sein Werk und die Entstehungszeit zu sprechen.

      Darüber hinaus möchte ich mich sehr herzlich bei den Verantwortlichen und den studentischen Gruppen der UdK und der Kunsthochschule Weißensee bedanken, die unser Projekt unterstützen.

      Und nun zur Ausstellung selbst.

      Warum eine Ausstellung »trans.ver`68« im
      Berliner ver.di-Haus und warum zu diesem Zeitpunkt:

      Nun, zunächst ist das Jahr 2008 ja ein sogenanntes Jubiläumsjahr für »die 68iger« (wobei sich die meisten 68iger wahrscheinlich vor dem Begriff »Jubiläum« schütteln würden): 40 Jahre 68-iger-Studentenbewegung und außerparlamentarische Opposition. Ich kann mich an kaum ein Jahr erinnern, in dem soviel über die 68iger geschrieben, gesendet, diskutiert und gestritten wurde.
      Warum also wir auch noch und warum in Form einer Kunstausstellung und nicht z. B. in Form eines politischen Kongresses, was ja für eine politische Organisation wie die Gewerkschaft ver.di auch nahe gelegen hätte?

      Nun, zunächst sind wir davon überzeugt, dass es für die Gewerkschaft ver.di sinnvoll und nützlich, ja sogar notwendig ist, sich mit bedeutsamen politischen Entwicklungen in unserem Land auseinanderzusetzen. Und kaum ein Ereignis in der jüngeren und friedlichen Geschichte der Bundesrepublik – also der nach dem zweiten Weltkrieg – hat wohl derart nachwirkend die politischen Diskussionen bestimmt wie die »Studentenrevolte«.

      Der Schriftsteller und Publizist Hans Magnus Enzensberger hat einmal gesagt, dass seines Erachtens »68« »die unbewohnbare Bundesrepublik (überhaupt) erst bewohnbar machte«. Dem mag man zustimmen oder auch nicht, jedenfalls war die Studentenbewegung ein herausragendes Ereignis in der damaligen Zeit. Und das nicht nur in der Bundesrepublik.

      Die 68iger politischen Prozesse gingen natürlich auch an den Gewerkschaften nicht vorbei. Wobei das Verhältnis der Gewerkschaften und der Studentenbewegung durchaus kritisch und zum Teil von heftigen Konflikten geprägt war. Und trotzdem hat man sich gegenseitig beeinflusst. Ich will nur daran erinnern, dass sich die Studentenbewegung und Gewerkschaften gegen die Notstandsgesetze der damaligen großen Koalition zusammengetan haben und dass es Teile der Studentenbewegung gab, die schon 1968 z. B. an den Mai-Veranstaltungen der Gewerkschaften teilnahmen, auch das nicht immer konfliktfrei.

      Ich will aber hier nicht den Versuch unternehmen, das Verhältnis von Gewerkschaften und Studentenbewegung umfassender zu analysieren. Es ging mir nur darum, mit wenigen Worten deutlich zu machen, dass es damals und in den Jahren danach durchaus so etwas wie ein Verhältnis gab. Nicht zuletzt auch in der Form, dass eine nicht kleine Zahl von Intellektuellen der damaligen Zeit bei den Gewerkschaften beruflich landeten. Einige hier Anwesende und ich selber sind Beispiele dafür.

      Warum aber die Auseinandersetzung
      mit »68« in Form einer Kunstausstellung?


      Nun zunächst einmal gibt es ganz profanen Grund dafür: Wir von Art.iS setzen uns eben mit Kunst und künstlerischen Prozessen auseinander. Unser Ziel ist es, Kunst ins Haus zu holen, um u. a. auf diesem Wege dazu beizutragen, dass Gewerkschaften und KünstlerInnen (wieder stärker) in einen Dialog miteinander kommen.

      Und wir fragen uns in der Planung der Ausstellungen für das jeweils nachfolgende Jahr u. a., ob es Ereignisse, gesellschaftliche und/oder künstlerische Prozesse gibt oder gegeben hat, auf die wir reagieren, auf die wir eingehen wollen.

      Darüber hinaus teilen wir die Einschätzung, dass die 68iger Bewegung auch in der Kunst vieles verändert hat. Also lag es nahe, eine Ausstellung zu 40 Jahren 68 zu organisieren.

      Die Diskussion um die Konzeption einer solchen Ausstellung hat eine Zeitlang gedauert. Verschiedene Konzeptideen wurden abgewogen. Schließlich waren wir uns einig, dass wir zwei Dinge erreichen wollten:

      • Die Ausstellung sollte verschiedene Kunstsparten einbeziehen …
      • ... und die Ausstellung sollte mehrere Generationen von Künstlerinnen, insbesondere auch jüngere ansprechen.

      Wir wollten eine Ausstellung realisieren, in deren Rahmen eine dialogische Auseinandersetzung von KünstlerInnen untereinander und mit uns stattfinden kann.

      Wir wollten herausfinden, ob und wenn ja wie die Beziehungen von älteren und jüngeren KünstlerInnen zu dem sind, was in 1968 und danach in der Kunst geschehen ist.

      Es war darüber hinaus gewollt, dass im Rahmen dieser Ausstellungen – wenn man so will ganz im »68iger-Geist« – eine durchaus kritische und gegebenenfalls unterschiedliche Auffassungen abbildende Auseinandersetzung stattfinden kann. Auf dem Banner der Ausstellung (an der roten Wand) steht u. a.: »… von Affirmation bis Aversion ist jede Reaktion willkommen.« So wie ich meine KollegInnen in diesem Haus kenne, bin ich davon überzeugt, dass wir alle Reaktionen in dieser Spannweite erleben werden.

      Nicht zuletzt wollten wir versuchen, für ein solches Projekt den Kontakt und die Zusammenarbeit mit den beiden großen Kunsthochschulen Berlins zu erreichen: UdK und Weißensee.

      Ein erster Versuch blieb zunächst auf halber Strecke stecken. Der persönliche Kontakt zu einer der drei Kuratorinnen hat dazu geführt, dass wieder Fahrt aufgenommen werden konnte. Gemeinsam ist dann das jetzt realisierte Konzept entstanden.

      Mit welchen Ideen, Zielen und Prozessen das verbunden war und ist, werden die drei Kuratorinnen nachher selbst darstellen. Bevor sie das jedoch tun, freue ich mich, jetzt zunächst das Wort an Wolfgang Hufschmidt zu geben, der etwas zu seinem Werk, den anderen Ausgangswerken dieser Ausstellung und der damaligen Zeit sagen wird.

      Ich danke für Ihre/Eure Aufmerksamkeit ….

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      Die Rede von Klaus Humml (Art.iS) zur Ausstellungseröffnung am 11. September 2008 kann als pdf-Datei hier geladen werden.