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    Spannungsfelder

    Spannungsfelder

    30 Jahre Kunst aus Ost- und West-Berlin

    Ausstellung Spannungsfelder - Art.iS 2010 Michael Diller Zwei befreundete Modelle zweier verfeindeter Künstler  – Radierung, 1985


    Die Ausstellung, an der

    Ellen Fuhr
    Horst Bartnig
    Michael Diller
    Hans Scheib
    Eva-Maria Schön
    Mike Steiner
    Kain Karawahn

    beteiligt sind, zeigt, dass es in beiden Teilen der Stadt vor und nach 1989 ein sehr produktives und spannungsreiches künstlerisches Schaffen gegeben hat und gibt.

    Ansichten aus zwei vergangenen Dörfern

    Portalverschönerung ist nicht die Sache von »Art.iS«: Kunst im Spreeport der ver.di Bundesverwaltung wählt sich Themen meist nach gesellschaftlicher Relevanz. Seit dem Bezug der Gewerkschaftszentrale im Herbst 2004 konnten die ver.di-Gäste, Mitglieder und Angestellten hier schon Dinge betrachten, die sie sich woanders in Galerien erst zusammensuchen müssten, so jetzt auch mit der Ausstellung »Spannungsfelder. 30 Jahre Kunst aus Ost- und West-Berlin«.

    Es ist das Verdienst der Malerin und Kuratorin Ulla Walter, dem immer noch schwelenden deutsch-deutschen »Bilderstreit« ein faires Kapitel hinzugefügt zu haben.

    Ausstellung Spannungsfelder | Art.iS 2010 K. Humml Ausstellung »Spannungsfelder«  – Frank Bsirske zur Eröffnung

    Ausstellungsdauer
    18. März bis 28. Mai 2010

    Kuratorin
    Ulla Walter (Malerin)

    Ausstellungseröffnung
    17. März 2010 | 19:30 Uhr

    • Begrüßung
      Dr. Klaus Humml, Art.iS

    • Einleitung aus der Sicht der ver.di
      Frank Bsirske, Vorsitzender der ver.di
    Ausstellung »Spannungsfelder« | Art.iS 2010 K. Humml Ausstellung »Spannungsfelder«  – Michaela Nolte | Thomas Nehls | Prof. Sigrid Hofer
    • Diskussion untereinander und mit dem Publikum
      unter der Moderation von
      Thomas Nehls, WDR-Korrespondenten, Berlin
      Prof. Dr. Sigrid Hofer, Kunsthistorikerin, Universität Marburg
      Michaela Nolte, Journalistin, Berlin
    Ausstellung »Spannungsfelder« | Art.iS 2010 K. Humml Ausstellung »Spannungsfelder«  – Konrad Bauer, Posaune

     




    Jazz-Life-Musik
    mit Konrad Bauer, Posaune

    Ausstellung »Spannungsfelder« | Art.iS 2010 k+k Ausstellung »Spannungsfelder«  – kunst+kultur zur Ausstellung

     

     

     

     

     

     

     

     



    kunst+kultur zur Ausstellung

    Ein Sonderdruck der kulturpolitischen ver.di-Zeitschrift kunst+kultur kann als pdf-Datei hier geladen werden.

     

    Spannungsfelder

    • 30 Jahre Kunst aus Ost- und West-Berlin

      Das Art.iS-Ausstellungsprojekt beleuchtet den ästhetischen, kreativen Prozess, der etwa Mitte der 1980er-Jahre in der geteilten Stadt einsetzte, als künstlerische Zeitreise.

      Die Kunst aus dem ehemaligen Osten Berlins, die hier bei ver.di zu sehen ist, steht im Zeichen sichtbarer Ankündigungen des großen gesellschaftlichen Umbruchs und der Suche nach einer neuen Identität in einer grundlegend veränderten sellschaftlichen Situation, die bis heute anhält. Die Kunst der ehemaligen Inselstadt West-Berlin  dokumentiert vorwiegend den Drang nach neuen Ausdrucksformen.

      Nach dem Fall der Mauer prallten Kunstströmungen aus beiden Teilen Berlins in ungleichen Verhältnissen aufeinander. Im Ostteil Berlins bestimmte damals eine große Aufmerksamkeit dem Westen gegenüber die Wahrnehmung, während man im Westteil der Stadt (bis auf wenige Ausnahmen) der Ost-Kunst und ihren Protagonisten eher gleichgültig bis ignorant begegnete, und noch immer ist es nicht selbstverständlich, dass Arbeiten aus Ost und West gleichwertig nebeneinander hängen.
      Blick in die Ausstellung

      Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt von Ost- und West-Berliner Kunst der 1980er, 1990er und 2000er Jahre, deren Künstlerinnen und Künstler Eingeborene, Zugereiste und Ausgereiste und sind. Es sollen in erster Linie vorurteilsfrei die Neugierde und das Interesse für die unterschiedlichen künstlerischen Prozesse in Ost- und West-Berlin und deren Begleitumstände zwischen 1980 und heute geweckt werden.

      Vorgestellt werden sechs Künstlerinnen und Künstler, die exemplarisch für die jeweiligen Prozesse und Auseinandersetzungen in beiden Teilen der Stadt stehen. Kuratorin der Ausstellung ist das Mitglied der Art.iS-Jury Ulla Walter (Malerin).

      Horst Bartnig
      (Jahrgang 1936, lebt in Ost-Berlin) entwickelte ab 1964 seine konstruktiv-konkrete Kunst, die er im Laufe der Jahre weiter verdichtete. In den 1980er Jahren entwickelte Bartnig seine „Unterbrechungen“, Bilder aus streng durchkomponierten, schwarzen und weißen oder verschiedenfarbigen Linien, die – aus wechselnden Standpunkten betrachtet – eine faszinierende Leichtigkeit und Vielfalt an Farb- und Raumeindrücken hervorrufen.
           
      Ellen Fuhr
      (Jahrgang 1958, lebt in Ost-Berlin) Schon in den Achtzigern wurde sie als Künstlerin auch über die Grenzen der DDR mit expressiven Grafiken bekannt. Anfang der neunziger Jahre setzte sie den Fokus vom bevorzugten Porträt auf die ganze Figur. Es entstanden Malereien auf Papier von hohem grafischem Reiz. Anfang 2000 erweitert sie ihr künstlerisches Blickfeld und bewegt sich künstlerisch zunehmend im Stadtraum. Für Ellen Fuhr gab und gibt es zu den Spannungsmomenten im früher geteilten und nun wiedervereinten Berlin keine Alternative.

      Michael Diller
      (Jahrgang 1950, lebte in Ost-Berlin) gehörte zu den wichtigsten jungen Grafikern in der DDR und war in jeder Hinsicht ein Künstler des Aufbruchs. In den 1980er Jahren wurde sein Atelier zum zentralen privaten Treffpunkt der Ost-Berliner Szene. Ab Mitte der 1980er Jahre arbeitete er zunehmend mit Übermalungen seiner filigran-poetischen, grafischen Arbeiten. In den letzten Jahren, bevor er 1993 tragisch verunglückte, widmete er sich der Malerei. Mit einer Würdigung im  Ausstellungskontext sollen sein Schaffen und seine Bedeutung wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt werden.
           
      Hans Scheib
      (Jahrgang 1949, reiste 1985 von Ost- nach West-Berlin aus) traf mit seinen schroffen, expressionistischen Holzplastiken und Radierungen in den achtziger Jahren für viele ostdeutsche Künstler den Nerv der Zeit. Schwerpunkte seiner Arbeiten sind Bewegung und Gegenbewegung, Figuren, die aus den Proportionen geraten. ‚Halt‘ bietet diesen eigenwilligen Gestalten die Farbe. Scheib rekurriert Literatur und  Kunstgeschichte und transformiert Erzählungen wie Jonathan Swifts »Gullivers Reisen« oder die mythische Figur der Judith zu eindringlichen Gleichnissen der Jetztzeit.

      Eva-Maria Schön
      (Jahrgang 1948, kam nach dem Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie 1980 nach West-Berlin) Ausgehend von einem konzeptuellen Ansatz entwickelte sie ihr »Handvokabular«, bei dem Tusche mit dem Finger oder der Handkante in einer bestimmten Choreographie aufgetragen wird. Aus der Wiederholung und dem Rhythmus der Bewegung entstehen verblüffende Formen. Daneben hat Schön Performances und Textarbeiten realisiert. Von ihren Videos wird das 2005 entstandene »Was ich besitze« – inspiriert von einem Bertolt-Brecht-Text – in der Ausstellung präsentiert.
           
      Mike Steiner
      (Jahrgang 1941) wuchs in West-Berlin auf und ging Mitte der 1960er-Jahre nach New York, wo ihn die experimentelle Kunstszene (Minimal Art, Happening, Performances) und das »Living Theatre« nachhaltig beeindruckten. Von der abstrakt-expressiven Malerei wandte er sich konstruktiven und minimalistischen Objekten, Videos, Collagen, Copy-Art und der Fotografie zu. Zurück in Berlin eröffnete er das Hotel Steiner und die Studiogalerie, womit er nicht nur als Produzent sondern auch als Vermittler und Sammler zum Pionier experimenteller Kunst wurde, und im West-Berlin der 1970er-Jahre zum Außenseiter.

      Kain Karawahn
      kam Anfang der achtziger Jahre nach West-Berlin. Hier entwickelte er eine feuerspezifische Aktionskunst, die 1984 in einem video-dokumentierten »Brandanschlag« auf die Berliner Mauer gipfelte. Heute lebt und arbeitet Karawahn im Ostteil der Stadt.

      Während der Ausstellung wird die Video- und Fotodokumentation »The Berlin Summernightdream. 1000 Berlin brennt« von Kain Karawahn gezeigt.