Ausstellungen

    Beton und Öl

    Beton und Öl

    Ulla Walter – Bilder aus zwei Zeiten

    Beton und Öl | Ausstellung von Art.iS 2007 Ulla Walter o. T.

    Ausstellungseröffnung
    26. April 2007 | 18:30 Uhr

    • Laudatio
      Dr. Bärbel Mann
    • Musik
      Conny Bauer, Posaune

    Ausstellungsdauer
    27. April 2007
    bis 29. Juni 2007

    Finissage
    27. Juni 2007 | 18:00 Uhr

    • Für einen »musikalischen Leckerbissen« sorgt der Musiker Andreas Merkel auf seinem Saxophon.
    • Ulla Walter, Schöneiche bei Berlin

      1955 in Meiningen geboren – 1974 Abitur und Facharbeiter für Computerbau / Studium an der TU Dresden (Arbeitswissenschaften) – 1974-76 Tellerwäscherin, Heizerin, Nachtwächterin im Dresdner Zwinger – 1976-78 Studium der Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden – 1978-81 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Bernhard Heisig – 1981-84 Meisterschülerin bei Bernhard Heisig – 1986-88 Gründungsmitglied der Künstlergruppe INSTABIL – 1990 Zeit der Neuorientierung: gegenstandslose Bilder und stark farbige Landschaftsassoziationen – 1990-92 Malerei-Musik-Performance AKUKARTON (mit Andreas Merkel) – 1993-97 Gründungsmitglied und Leitung des Fördervereins Kunstschule Z1 e.V. | Konzeptionen und Durchführung von Kunstaktionen und Workshops im Industriegebiet des Kalksteinabbaus und der Zementproduktion – 1992-96 Serie KALKBILDER / Beginn der "tektonischen Malerei" mit Objekten und dreidimensionalen Bildern, z.T. mit Akustik (von Andreas Merkel) und Licht – 1996-99 Serien ZUKUNFTS-FOSSILIEN und BAUTEILE-ERDEN; Feuerausstellungen mit Kain Karawahn Projekt "k.u.n.s.t.z.i.n.s." mit der Berliner Volksbank am Potsdamer Platz – 2000 Arbeitsstipendium des Landes Brandenburg für eine Gruppe von beweglichen Objekten mit Licht – 2004 Arbeitsstipendium der Käthe-Dorsch-Stiftung – 2005 Internationales Kunstprojekt GOETZEN in Frankfurt (Oder) und Slubice / zwei Lichtinstallationen | Ostbrandenburgischer Kunstpreis der MOZ | Zusammenarbeit mit der Galerie Ruhnke / Potsdam | Konzeptentwürfe für die Stadt Görlitz; Malerei mit Zementschichten und Ölfarben; Gussvorlage für Lichtskulptur

    • Ulla Walter: Zur Ausstellung

      Gezeigt werden Bilder, die nach der Jahrtausendwende entstanden sind. Diese sind alle auf Leinwand gemalt – mit klassischer Ölfarbe aber auch mit Beton. Dagegen stehen Bilder aus der Zeit kurz vor der politischen Wende – also vor ´89 entstandene, meist mit dunkler Latexfarbe auf Nessel.

      Die Ausstellungsräume im SpreePort, dem neuen ver.di-Haus, bieten eine dramaturgische Trennung förmlich an. Allein die Fahrstuhlfahrt aus dem Atrium hinauf in die siebente Etage, erfährt dadurch einen eigenen Reiz.

      Bei den aktuellsten Arbeiten, die direkt mit dem Blick auf unsere Gegenwart gerichtet sind, bestimmen die Materialien Beton und Öl nicht nur die Formen, sondern auch künstlerische Inhalte. Kombiniert als Ergänzung oder als Kontrast stehen sie gemeinsam auf den Bildflächen. Beton umgibt uns in unserer modernen Welt, wo immer wir auch hinsehen werden. Wir reiben und versöhnen uns mit ihm. (Begründet ist der persönliche Bezug dieser Malerei allerdings in einem ehemaligen Kunstschulprojekt in den alten Industrieanlagen der Zementproduktion von Rüdersdorf, direkt am Stadtrand von Berlin / »Kunstschule Z1« / 1993-97).

      Beton und Öl | Ausstellung von Art.iS 2007 K. Humml In der Ausstellung

      Eine fünf mal zwei Meter hohe fünfgeteilte Arbeit hängt neben dem Eingang rechts ins Foyer hinab. »Leute« ist der Titel – »Menschen in Erwartung"«das Thema. Hier ist das Zeitgefühl malerisch in Beziehung zur großen Gewerkschaft gebracht. Fast monochrom wirken die Figuren aus Betonstrukturen auf dem hellen Untergrund. Ein grelles und warmes Licht scheint ihnen entgegen und leicht scheint es auch durch die Tafeln hindurch. Die einzelnen Bildteile suggerieren in ihren Proportionen und ihrer Zuordnung dem Betrachter einen Filmstreifen im Kinoformat.

      Wenige Stufen hinauf, in der ersten Etage, befindet sich der Hauptausstellungsraum. Das Bild »Café« (die Abbildung der Einladungskarte) und weitere andere figürliche Arbeiten sind an großen Stellwänden angebracht. »Virtueller Raum« – mit dem Thema unserer Kommunikation, »Balance« – als tägliche Gratwanderung, »Geiselnahme« – mit Bezug auf die im Irak entführten Geiseln, »Mannschaft« – als kollektives Erlebnis der vergangenen WM’s und »Leda mit dem Schwan« – mit seiner antiken Symbolik, um noch einige andere zu nennen.

      Einen Baustoff wie Beton für die Malerei zu »zähmen«, steckt als Hauptinteresse hinter den Bildern. Beispielsweise lässt sich ein Porträt offensichtlich ebenso mit Beton und Pinsel malen, wie auch mit Öl. In seiner schroffen Wucht, sitzt hier der »Betonkopf« im Format. Es zeigt sich aber noch ein weiterer Materialvorteil: Die raue und poröse Struktur lässt auch samtige Weichheit zu. Versteckte pastellfarbige Grautöne des scheinbar einheitsgrauen Betons lassen sich in den reliefartigen Figuren immer weiter entwickeln. Unter den verschiedenen Schichten ist dadurch eine bestimmte Art von Tiefe zu spüren. Materialneugierde hat zu diesem Punkt geführt. Sie hat sich als neues Zeitgefühl seit dem Jahr 2000 auf den mittleren bis großen Formaten durchgesetzt. Helle Flächen in den Bildern erinnern an das Strahlen der Monitore. Dazwischen sitzen zarte Details oder auch Porträts, gemalt mit geschmeidig-leuchtenden Ölfarben im Stil alter und neuer Leipziger Schule, die im Gegensatz zu den groben Betonstrukturen stehen. Ähnlich den Spiegelungen der Realität in den Glaswänden unseres betongegossenen Großstadtalltags, stehen diese unterschiedlichen Formulierungen hier neben einander.

      Die Bilder, die vor dem Fall der Mauer entstanden sind, werden erstmalig wieder öffentlich gezeigt. Es ist sicher interessant, beide Zeitabschnitte miteinander zu vergleichen. Das Tryptichon »November ´89« spricht besonders stark von der damaligen Situation. Alles sprengt irgendwie auseinander und gerät aus den kaum noch wahrzunehmenden Fugen. Dunkelheit und Kraft sind in allen Bildern dieser Zeit zu finden. Klar erkennbar wird der Zustand in »Schwarze Katze«. Ist es doch vielmehr ein abgemagerter, verletzter Panther – ein wildes Tier, das nur durch spärlichen Stacheldraht vom Betrachter getrennt scheint. Die Bilder »Absprung«, »Emporkömmling« und »Anpassen« erzählen ihre Erlebnisse der alten DDR-Vergangenheit und wirken dabei an manchen Stellen sogar wieder aktuell.

      Als kleiner Einblick in den Bereich der plastischen Arbeit steht die Lichtskulptur »Heller Kopf«. Genau gegenüber hängt die fast weiße Form von »Schlund«, einem akustischen Objekt. Bewusst nicht vordergründig platziert, sollen sie fast »zufällig« entdeckt werden. Das Bauwerk mit seinen Nischen und Gängen bietet hierbei die Anregung.