Ausstellungen

    Vergessene Kinder

    Vergessene Kinder

    Karin Zimmermann | Klaus Behncke

    Bilder | Objekte | Installationen

    Vergessene Kinder | Ausstellung von Art.iS 2008 Klaus Behncke Ohne mich  – 80x100 cm, Öl auf Leinwand


    Ausstellungseröffnung

    31. März 2008 | 18:30 Uhr

    • Begrüßung:
      Klaus Humml, Art.iS
    • Laudatio:
      Donata Holz, Kulturwissenschaftlerin
    • Musikalische Begleitung


    Ausstellungsdauer

    1. April 2008 bis 13. Juni 2008

      

    Vergessene Kinder | Ausstellung von Art.iS 2008 Karin Zimmermann Da musst du durch  – 200x200 cm, Mixmedia auf Leinwand

    Karin Zimmermann und Klaus Behncke leben und arbeiten in Cuxhaven an der Nordsee. Ihre Ausstellungen – einzeln oder gemeinsam – haben jeweils einen thematischen Bezug. Die Arbeiten (Bilder, Objekte, Installationen) reflektieren stets einen politischen, sozialen, kulturellen, auch historischen Kontext. Jeder Ausstellung geht eine umfangreiche Recherche voraus, auch in Zusammenarbeit mit Kunst- und Kulturwissenschaftlern, die letztlich zu einer Positionierung und eigener Sichtweise führt.

    Die Wahl der Techniken und Materialien ordnet sich dabei der Sinnvermittlung der Ausstellung unter. Karin Zimmermann und Klaus Behncke wollen mit den Mitteln der Kunst Beiträge zum aktuellen gesellschaftlichen Diskurs leisten und die Betrachter ihrer Arbeiten auffordern, daran teilzunehmen und eigene Standpunkte zu finden. Diesmal nehmen sie sich dem Thema der vernachlässigten Kinder in unserer Gesellschaft an. Ein hochaktuelles und brisantes Thema, das sich in künstlerisch-verfremdeten Formen in ihren Werken spiegelt.

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    Die Einladung zur Vernissage am 31. März 2008 kann hier als pdf-Datei geladen werden.

    • Zur Ausstellung »Vergessene Kinder«

      Immer wieder geraten Schicksale von Kindern in den Focus der Medien. Die Not vieler Kinder ist ein Ausdruck des Zustandes unserer Gesellschaft. Kinder verwahrlosen, verhungern, werden misshandelt und missbraucht. Eltern nehmen ihre Verantwortung nicht wahr, sind überfordert, unfähig. Die öffentliche Fürsorge gerät in die Kritik, kritisiert ihrerseits zunehmend mangelnde personelle und finanzielle Ausstattung.
      Die Schicksale der Kinder rufen Entsetzen und Empörung hervor. Stichworte: Unterschichten, Chancengerechtigkeit, Bildung, Kinderarmut. Fragen nach Schuld und Versagen werden gestellt.
      Ist nicht ein Großteil der Kinder von Geburt an, von vornherein, abgeschrieben, abgehängt, chancenlos, vergessen? Ist ihr Lebensweg vorgezeichnet?
      Kinder werden vergessen bei der Planung unserer Städte, bei mangelnder Investition in Bildung, bei der Betreuungshilfe für Alleinerziehende oder individueller Karriereplanung.
      Nicht nur das Vergangene wird vergessen, sondern auch Gegenwart und Zukunft.
      Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen.

      Mit der Ausstellung »Vergessene Kinder« leisten Karin Zimmermann und Klaus Behncke ihren Beitrag zur aktuellen Diskussion aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln:
      Individuum, Problematiken der Eltern-Kind-Beziehung sowie Fragen zu Bildung, Erziehung, Chancenverteilung und Wachstumsmöglichkeiten. Begriffe wie Schuld, Unvermögen, Hilflosigkeit und Versagen dürfen die Diskussion nicht länger bestimmen.  Wo Strukturen sich auflösen, sind zeitweilige Konfusionen, sowie persönliche Unsicherheiten, auch Fehlentscheidungen und vorübergehende Kapitulationstendenzen nicht auszuschließen. Bildung, Erziehung, tradiertes Rollenverhalten befinden sich im Wandel.
      Das Gefüge Staat-Gesellschaft-Institutionen-Bürger, die Frage nach Teilhabe und Teilnahme und die Krise politisch-gesellschaftlicher Institutionen (Parteien, Gewerkschaften). Der Rückzug und Ausschluss breiter Bevölkerungsschichten aus dem öffentlichen Leben, das entstehende Vakuum und die Schwierigkeit des Ausgleichs verschiedener Interessen und Bedürfnisse.
      Im Zentrum der Überlegungen steht die Frage nach der Gleichwürdigkeit. Dieses Prinzip ist einer der grundlegenden Bausteine im Verhältnis sowohl zwischen Eltern und Kindern, als auch im Verhältnis von Staat, Politik, Gesellschaft zum Einzelnen und bildet somit das Fundament von Demokratie.

      Karin Zimmermann, Klaus Behncke

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      Der Text zur Ausstellung »vergessene Kinder« kann als pdf-Datei hier geladen werden.

    • Laudatio zur Ausstellungseröffnung

      Aus der Laudatio
      zur Eröffnung der Ausstellung am 31. März 2008

      … Um die Missstände in der Gesellschaft und den Familien wahrzunehmen, bedarf es eines genauen Hinschauens, eines weiten und gleichsam tiefen Blickes, mit dem Karin Zimmermann und Klaus Behncke ihr Umfeld beobachten.
      Im einzelnen Kunstwerk kommt es dann zu einer Verdichtung der Ereignisse und Gedanken. Die Außenwelt wird von den beiden Künstlern mit allen Sinnen aufgenommen, so dass nicht allein die Gedanken angeregt werden, sondern auch das Formvermögen.
      Daraus ist ein Werk entstanden, das aus vielen Quellen schließlich in eine einzige und konsequente Ausdrucksform und -weise mündet, die durch ihre Eindringlichkeit keine Zweifel zulässt.
      Wenn Wassiliy Kandinsky in seinen Schriften »Über das Geistige in der Kunst« sagt, dass der Künstler in dem Moment, in dem er mit seinem Werk einer inneren Notwendigkeit folgt, nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet ist, mit den Formen so umzugehen, wie es für seine Zwecke notwendig ist, so sehen wir in dem Werk von Klaus Behncke und Karin Zimmermann diese Gedanken erfüllt, denn:

      Der Künstler muss etwas zu sagen haben, da nicht die Beherrschung der Form seine Aufgabe ist, sondern das Anpassen der Form an den Inhalt.
      sagt Kandinsky weiter

      Karin Zimmermann und Klaus Behncke haben eine Menge zu sagen und so konzentrieren sie sich mit ihrer künstlerischen Arbeit nicht auf ein einziges Medium, sondern setzen ihre Gedanken in der Malerei, Skulptur und Installation um. Damit stellen sie sich nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch und formal immer neuen Herausforderungen

      Betrachten wir dazu das Holzobjekt »Zerreißprobe« von Klaus Behncke, das wie ein überdimensionaler Reißverschluss erscheint, in dem einige Glieder miteinander verzahnt sind, andere sich in einem Abstand gegenüber stehen, wobei die Frage bleibt, ob sich das System öffnet oder schließt. Eine Verzahnung, ein schlüssiges Gefüge wäre notwendig für ein Zusammenwirken von Staat, Gesellschaft und Individuum.
      Der Künstler hat sich hier für eine großformatige Installation aus Holz entschieden, so dass die Starre und Unbeweglichkeit der einzelnen Glieder deutlich wird, fügen sie sich zusammen, sind sie jedoch ein starker, nicht zu zerreißender Verbund. Dabei steht die Größe des Objekts für die Dringlichkeit dieses Zusammenschlusses.

      An anderer Stelle vermittelt der Künstler malerisch seine Gedanken, wenn er über die »Sitzverteilung« nachdenkt und mitten in einem riesigen Raum einen einzelnen Stuhl darstellt. Dabei werden Anklänge der metaphysischen Psychologie eines Giorgio de Chirico spürbar.

      Zu einer eindringlichen Malerei kommt es in der dreiteiligen Arbeit von Karin Zimmermann »Da musst du durch«. In großformatigen Bildern gelingt es ihr allein durch Farbe und Form, Barrieren und Hindernisse aufzubauen, deren Bewältigung aussichtslos erscheint. Aus der Verdichtung verschiedenster nahezu monochromer Farbschichten, die mehrfach übereinander gelegt werden, ist eine Wand entstanden, die durch den lasierenden Auftrag der Farben Strukturen aus der Tiefe erkennen lässt. Daneben eine riesige Kugel aus einem Geflecht von schwarz-grauen Strichen, die in ihrer Monumentalität scheinbar auf den Betrachter zurollt.
      Richtet man dann den Blick auf die mehrteilige Arbeit »Wo endet der Kreis?«, werden hier Gesichter deutlich, die von gewaltsamer Einwirkung sprechen.
      Abstraktion und Figürliches stehen bei Karin Zimmermann also nebeneinander, jeweils konsequent dem Inhalt folgend. Dabei kommt es nicht allein zu dieser inhaltlichen, sondern auch zu einer technischen Konsequenz im Umgang mit Farbe und Form. Die inhaltliche Tiefe spiegelt sich nicht nur im malerischen Prozess, sondern im gesamten Werk von Karin Zimmermann und Klaus Behncke wider.

      Donata Holz

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      Der Auszug aus der Laudatio von Donata Holz zur Ausstellungseröffnung kann als pdf-Datei hier geladen werden.