Jugend

    Seifenblasen und andere Ideen

    Seifenblasen und andere Ideen

    von Helma Nehrlich

    Nur gemeinsam stark:
    ver.di-Jugend des Fachbereichs 8 tagte in Berlin

    Bundesfachbereichs-Jugendkonferenz, 28. Februar 2015 | Fachbereich Medien, Kunst und Industrie G. Kirchgässner Fachbereichs-Jugendkonferenz  – 28. Februar 2015 | Teilnehmerinnen/Teilnehmer

    Wie kann ver.di für junge Leute attraktiv gemacht werden? Und wie können sich Aktive an ihrem Wohnort oder in der Region besser untereinander vernetzen? Das waren zwei Fragen, um die sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 3. Bundesfach-
    bereichsjugendkonferenz Medien, Kunst und Industrie am 28. Februar 2015 die Köpfe heiß redeten, Flipcharts und Metaplankarten vollschrieben und doch fröhlich blieben.

    »ver.di soll Spaß machen«, war eine wichtige These, als es darum ging, wie Durchsetzungskraft und Interessenvertretung im Betrieb gestärkt werden können. Dass junge Leute mit »Guerilla«-Aktionen und Flashmobs bei Demos und Streiks das »Maul aufreißen«, wo »Erwachsene« eher Fahnen schwenken, zeigten junge Aktive aus Frankfurt/Main per Video.

    Wo überall sich Betätigungsfelder ergeben, was ver.di für die Beschäftigten in den nächsten Monaten vor allem bei Tarifrunden durchsetzen will, hatte ver.di-Vize Frank Werneke – vorgestellt als »ganz hohes Tier« – zuvor in einer Gesprächsrunde erläutert. Da ging es um die aktuelle Tarifauseinandersetzung bei den Landesbühnen, wo Warnstreiks bevorstehen, um die Gehaltsrunde beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder um Tarifsondierungen in der Druckindustrie. In der Papierverarbeitung, wo es erst 2016 tariflich wieder zur Sache geht, sah Werneke viel Potenzial. Er erläuterte aktuelle Auseinandersetzungen um das Urhebervertragsrecht. Den »Blumenstrauß der Themenfelder« beschloss er mit Kritik am von vielen Arbeitgebern praktizierten »Roll-Back beim Mindestlohn« sowie einem Blick auf die transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP und CETA. Da wolle ver.di den Widerstand in den nächsten Wochen verstärkt auf die Straße tragen.

    Bundesfachbereichs-Jugendkonferenz, 28. Februar 2015 | Fachbereich Medien, Kunst und Industrie G. Kirchgässner Jugendfachkreis des Bundesfachbereichs  – o.v.l.: Stanislas Heubel-Parodi, André Römbke, Anika Oelmann, Natalie Posa, Annika Schnitzler, Maxi Berger, Dennis Lehmann, Simon Hild | u.v.l.: Lars Kalkbrenner, Christin Wetzel, Leonie-Viola Thöne, David Gillengerten, Maren Klimm; r. Moritz Metzen

    Unverbesserlich optimistisch ging Maximiliane Friedl für den bisherigen Jugendfachkreis davon aus, dass jugendliche Beteiligung im ver.di-Fachbereich Medien wachsen möge. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz 2015 hatten sich zuvor selbst vorgestellt: die Schauspielerin, der Chef des Campus-Web der Uni Bonn, die Buchhalterin eines Wellpappeproduzenten, JAV-Vertreter der Kölner Bühnen und von Melitta, ein Einer-Jugend-und-Auszubildendenvertreter aus einem Etikettendruckbetrieb, Verlagsmitarbeiter, ein Azubi beim WDR oder zwei junge Betriebsrätinnen von der UCI Kinowelt.

    Einerlei, ob sie gleich bei Ausbildungsbeginn mit ver.di in Kontakt kamen, egal, ob sie schon vieles versucht hatten, um Kommilitonen zur Mitarbeit zu animieren, oder bei jungen Kollegen auf Unwissenheit oder Angst stießen: Einig waren sich alle: Nur gemeinsam sind wir stark. Deshalb wurden mit Bundesjugendsekretär Jan Duscheck und Isabell Senff von der ver.di-Jugend Ideen gesucht, wie Azubis und junge Beschäftigte für die Gewerkschaft zu werben sind. Überzeugen kann nur, wer informiert und mit dem Herzen dabei ist, war eine Erkenntnis. Man kann sich Hilfe holen, eine zweite. Kleine Geschenke erhalten den Kontakt, eine weitere. Deshalb wünschte sich Maxi Berger auch Seifenblasen-Spender mit ver.di-Logo. »Die machen gute Laune und ziehen Leute an«.

    Natürlich wurde auch auf dieser Konferenz gewählt. Fünfzehn Mitglieder bilden den neuen Bundesfachbereichsjugendfachkreis. Gefordert wurde, den Internationalen Studiengang Journalistik an der Hochschule Bremen und die ver.di-Bildungsstätte Lage-Hörste zu erhalten. Um die Jugendarbeit geht es in einem Antrag an die ver.di-Bundesfachbereichskonferenz im April. »Die Nachwuchsförderung muss ernst genommen werden«, heißt es darin. Also nicht nur Spaß.