Konferenz 2011

    schlott gruppe AG

    Resolution

    Zur Insolvenz der schlott gruppe AG

    Resolution
    der Bundesfachbereichskonferenz Medien, Kunst und Industrie
    am 16./17. April 2011 in Berlin

    Opfer des unverantwortlichen
    Verdrängungswettbewerbs sind die Beschäftigten

    Die Delegierten der Bundeskonferenz des ver.di-Fachbereichs 8 – Medien, Kunst und Industrie – verurteilen das unverantwortliche Handeln von Management und Eigentümern, das zur Insolvenz der Schlott Gruppe AG führte.

    Nach Stand der Dinge verlieren nun viele der rund 2.000 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz. Der Konzernvorstand hat jahrelang auf unverantwortlicher Weise mit kreditfinanzierten Zukäufe auf Kapazitätsaufbau in einem durch Überkapazitäten geprägten Markt orientiert. Statt nachhaltiges Wirtschaften hat die Schlott Gruppe den europaweiten ruinösen Verdrängungswettbewerb im Tiefdruckmarkt mit angeheizt. Die Wachstumsstrategie, verbunden mit dem Ziel, die Preisführerschaft im europäischen Tiefdruck zu erlangen, ist gescheitert. Die Schlott Gruppe ist Opfer ihrer eigenen Geschäftspolitik geworden. Die Beschäftigten der schlott Unternehmen waren und sind die leidtragenden. Dieser Preisdumping-Wettbewerb wurde auf dem Rücken der Belegschaften ausgetragen. Vernichtung von Arbeitsplätzen, Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, Arbeitsverdichtung, Abbau von sozialen Leistungen, Entgeltabsenkungen zur Beschäftigungssicherung und schließlich die Insolvenz.

    Die betroffenen Kolleginnen und Kollegen sind mehrfach betrogen: Viele von ihnen verlieren ihren Arbeitsplatz und für alle Beschäftigte in Altersteilzeit sind die Aufstockungsbeiträge insolvenzbedingt pfutsch.

    In besonderem Maße sind die Beschäftigten der traditionsreichen Druckerei Broschek Tiefdruck und der Weiterverarbeitung broschek service in Hamburg betroffen. Diese Betriebe sind vor wenigen Tagen vom Insolvenzverwalter geschlossen worden. Skandalös daran ist, dass zuvor Aufträge aus diesen Betrieben abgezogen wurden, um andere Schlott-Standorte für Käufer attraktiv zu machen.

    Dort, wo Teile des Unternehmens verkauft werden, drohen den Beschäftigten nun weitere Einschnitte in tarifliche Rechte und weitere Kürzung der Einkommen.

    Geradezu unerträglich wäre es aber, sollte sich bewahrheiten, dass Manager, die die Insolvenz mit ihrer Preisdumping-Politik verschuldet haben, mit Hilfe von Bankkrediten versuchen, Schlott-Standorte zu übernehmen, um sie dann – nach einer massiven Kündigungswelle – als tariflose Betriebe in eine neue Runde des Preisdumping-Wettbewerbs am Druckmarkt zu führen und dadurch weitere Arbeitsplätze zu gefährden.

    Die Delegierten der Bundesfachbereichskonferenz fordern Banken, Insolvenzverwalter und Verantwortliche in Politik und Behörden auf, solch erwiesenermaßen unverantwortlichen Unternehmern und Managern keine zweite Möglichkeit zur Tarifflucht und Arbeitsplatzvernichtung zu geben.

    ver.di wirbt und kämpft seit Jahren für eine vernünftige Industriepolitik in der Druckindustrie, die Überkapazitäten und einen ruinösen Preisverfall bremst und Beschäftigung erhält. Das Beispiel schlott sollte nun alle im großauflagigen Akzidenzmarkt eine Mahnung zur Umkehr sein. Soziale Verantwortung kann angesichts von Massenentlassungen und Arbeitsplatzvernichtung nur heißen, kurz- und mittelfristige Maßnahmen zum sozialverträglichen Abbau von Maschinenkapazitäten und damit zum Stopp des Preisverfalls zu ergreifen. Die Branche braucht dringend beschäftigungssicherende Regelungen wie Arbeitszeitverkürzung, Anreize für Teilzeit, großzügige Altersteilzeitregelungen, branchenbezogene Altersvorsorge, vorbeugende Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, Branchendialog zur brancheninternen und -externen Konvergenz für Druckindustriebeschäftigte.