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    Kultur ist jeder zweite Herzschlag

    Kultur ist jeder zweite Herzschlag

    Auf dem 4. ver.di-Kongress informierte Kollegin Regine Möbius über ihre Erfahrungen als Kunst- und Kulturbeauftragte der ver.di und die Initiativen der ver.di-Kunstfachgruppen Bildende Kunst, Literatur (VS), Musik und Theater+Bühnen.

    Regine Möbius wurde auf dem 4. ver.di-Bundeskongress als Kunst- und Kulturbeauftragte der ver.di wiedergewählt.

    Regine Möbius Metin Yilmaz Regine Möbius  – Regine Möbius


    Liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Für das Vertrauen, das ihr mir am Dienstag ausgesprochen habt mit der erneuten Wahl zur Kunst- und Kulturbeauftragten, danke ich euch sehr. (Leichter Beifall)

    Liebe ver.dianerinnen und ver.dianer,
    »Kultur ist jeder zweite Herzschlag unseres Lebens.« Der Spanienkämpfer und Mitbegründer der Akademie der Künste der DDR, Hans Marchwitza, hat diesen Satz vor fast einem halben Jahrhundert geprägt. Er war an einer Wand des Potsdamer Kulturhauses zu lesen, erinnernd, vielleicht auch mahnend. Im neuen Potsdam-Museum, dem Forum für Kunst und Geschichte, hatte man dafür keine Verwendung mehr. Aber bei uns, denn unserer Gewerkschaft sollte dieser Satz gegenwärtig sein. Doch es ist mit dem Herzschlag für die Kultur wie mit dem realen Herzschlag: Wir spüren ihn nicht immer.

    Mit dem Amt einer Kunst- und Kulturbeauftragten hat ver.di eine Voraussetzung geschaffen, diesen Herzschlag für die Kultur sichtbar und hörbar zu machen für die Künstlerinnen und Künstler, Kulturarbeiter und Mitglieder in ver.di.

    In diesen acht Jahren, in denen ich das Amt innehabe, ist auch im Kulturbereich und in der Öffentlichkeit deutlich geworden, dass sich ver.di einsetzt für die ökonomischen und berufspolitischen Nöte der Künstlerinnen und Künstler und der Kulturschaffenden. (Leichter Beifall) – Da kann man ruhig einmal klatschen.

    Diese Aufgabe ist eine gemeinsame mit den Vorsitzenden und Sekretären der Fachgruppen Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Literatur und Musik. Wir sind aktiv in zivilgesellschaftlichen und kulturpolitischen Organisationen auf Bundes- und Landesebene. Gemeinsam entwickeln wir Aktionen und Initiativen gegen den Abbau kultureller Leistungen, die angesichts der finanziellen Anspannung der öffentlichen Haushalte die Theater, Museen, Bibliotheken und Musikschulen sowie andere kulturelle Einrichtungen treffen. Insbesondere im Bereich der Musikschulen werden hochqualifizierte Lehrkräfte zu Honorarkräften herabgestuft.

    Einkommensverluste bei Künstlerinnen und Künstlern und Autoren sind weitere alarmierende Signale, gegen die wir als ver.di, die Künstlerinnen und Künstler und Kulturarbeiter, unsere Stimme erheben.

    Die Daten zur sozialen Lage von Künstlerinnen und Künstler in Deutschland zeigen, dass deren soziale Absicherung besonders im Alter nach wie vor unsicher ist. Durchschnittlich niedrige Einkommen und vorwiegend freischaffende Beschäftigungsverhältnisse in Kombination mit steigenden Lebenshaltungskosten führen häufig zu prekären finanziellen Verhältnissen der Kunst- und Kulturschaffenden.

    Als Schriftstellerinnen und Schriftsteller, als Übersetzerinnen und Übersetzer haben wir mit unseren Kolleginnen und Kollegen bei Amazon einen gemeinsamen Gegner. Deshalb haben wir uns beispielsweise in diesem Jahr während der Leipziger Buchmesse, also hier, solidarisch mit den Amazon-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern gezeigt und ihre Forderungen nachdrücklich unterstützt (leichter Beifall) nach einem Tarifvertrag und angemessenen Arbeitsbedingungen.

    Aktiv erheben wir uns gegen Neonazis, rassistische Gewalt und Fremdendfeindlichkeit. Mit unserem Projekt »Stimmen gegen rechts« haben wir in den Bundesländern bei mehreren Veranstaltungen intensiv Zeichen gesetzt.

    Bei all diesen Auseinandersetzungen, die auch mich persönlich als freischaffende Autorin immer wieder tangieren, habe ich als Kunst- und Kulturbeauftragte ein notwendiges Mandat, das ich in die Gesellschaft trage, einmal mehr am 10. Oktober zur großen TTIP-Demonstration in Berlin, dann gern zusammen mit euch, liebe Kolleginnen und Kollegen in ver.di. (Beifall)

    Denn das wollen wir nicht vergessen: Kultur ist jeder zweite Herzschlag unseres Lebens.
    Ich danke euch. (Beifall)

    aus: Tagungsprotokoll 4. ver.di-Bundeskongress,
    25. September 2015, Teil 2, Seite 1 ff

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