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    Zeit zu gestalten: Leben _ Arbeit _ Zukunft

    Zeit zu gestalten: Leben _ Arbeit _ Zukunft

    Veranstaltung von DGB und FES Mitte Januar 2017 in Berlin

    Auf der sehr gut besuchten Veranstaltung "Zeit zu gestalten: Leben _ Arbeit _ Zukunft" - organisiert vom Deutschen Gewerkschaftsbund DGB und der Friedrich-Ebert-Stiftung FES in Berlin - mit einem Mix aus Gewerkschaftlern, Arbeitgeberverbänden, Wissenschaftlern und Betriebsräten wurde das Thema Arbeitszeit in den unterschiedlichen Facetten diskutiert. Der Wertewandel in der Gesellschaft, geändertes Familienbild, neue Arbeitsformen und die Digitalisierung treiben das Thema und lassen das seit 20 Jahren geltende Arbeitszeitgesetz hinterfragen. In teils kontrovers geführten Diskussionen zu den Themen Arbeitszeit, Arbeitszeitgesetz, Teilzeit, Vollzeit, Schutzrechte, Weißbuch Arbeiten 4.0. zeigte sich die Komplexibilität des Themas.

    Das Gesetzesvorhaben zur Teilzeit (Stichworte Teilzeit-Falle – Recht auf Vollzeit) wird von den Arbeitgebern abgelehnt. Gewerkschaften und Politik sehen jedoch hier einen großen Fortschritt, vor allem für die Frauen. Auch sei dies eine Möglichkeit um den Fachkräftemangel zu beheben. An dieser Stelle wurde auf die 1,8 Milliarden bezahlten und eine Milliarde unbezahlten Mehrarbeitsstunden verwiesen.

    Weiter wurden die unterschiedlichen Interessenlagen zwischen Großbetrieben in der Industrie und der Sicherung der Arbeitnehmer auf Mindestlohnbasis deutlich.

    Die Arbeitgeber wollen eine Änderung des Arbeitszeit-Gesetzes, Grund dafür seien die Wünsche der Beschäftigten. Die Ruhezeit soll auf neun Stunden reduziert werden und anstelle der täglichen Arbeitszeit von acht Stunden sollen wöchentlich 48 Stunden stehen. An dieser Stelle wird immer die alleinerziehende Mutter zitiert, die morgens im Büro arbeitet, nachmittags das Kind versorgt und abends gerne noch zu Hause arbeiten würde.

    Jedoch kann nur ein kleiner Teil der Arbeitnehmer Flexibilität in seiner Eigenverantwortung nutzen. Meist wird Flexibilität vom Arbeitgeber angeordnet.

    Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sieht im heutigen Arbeitszeit-Gesetz ausreichend Flexibilisierungsmöglichkeiten, die ja auch genutzt werden, und keinen Bedarf für Änderungen. Im Gegenteil, die Schutzrechte müssten den neuen Belastungen angepasst werden. Meist nutzten die Arbeitgeber die Spielräume aus den Gesetzen zu ihren Gunsten, und die Kontrollmechanismen sind sehr vage.

    Das Weißbuch Arbeiten 4.0 des Arbeitsministeriums von Andrea Nahles lässt Experimentierräume zu: Bei Bosch, Trumpf und Telekom wird dies bereits genutzt. Diese Beispiele sollten jedoch erst einmal bewertet werden.

    Im politischen Talk stellten sich Unterschiede der Parteien heraus: Charmant der Vorschlag der Grünen einer Wahlarbeitszeit zwischen 30 und 40 Stunden als Vollzeit. Die Linken wünschen keine Änderung am Arbeitszeitgesetz. Die Vertreter der Koalition verteidigten das Weißbuch als Fortschritt für Frauen und Familien und hoben hervor, dass Experimentierräume nur im tarifvertraglichen Konsenz möglich sind.

    Weitere Themen waren Bildung, Qualifizierung, Langzeitkonten, unbezahlte Sorgearbeit im gesellschaftlichem Interesse und Zeitwertpapiere.

    Ulrich Bareiß, Mitglied im Bundesvorstand der Fachgruppe Industrie

    Zur Dokumentation der FES: [Link]