Jugend

    Miteinander denken und diskutieren

    Miteinander denken und diskutieren

    Zeigen, wie cool ver.di ist

    4. Bundesjugendkonferenz des ver.di-Fachbereichs Medien, Kunst und Industrie

    Bilanz gezogen und Perspektiven erörtert hat am 9. und 10. März 2019 im Berliner ver.di-Haus die Bundeskonferenzen der Jugend im Fachbereich Medien, Kunst und Industrie. Dass man angesichts enormer gesellschaftspolitischer Herausforderungen zusammenstehen müsse, war dabei ein Fazit, zu dem die Konferenz gelangte.

    Fachbereich Medien, Kunst und Industrie der ver.di Murat Tueremis Fachbereichsjugendkonferenz 2019  – Der neu gewählte Jugendfachkreis (JFK)

    Optimismus und »Lust drauf, sich zu engagieren« gehören zum Fazit der zweitägigen Jugendkonferenz des Bundesfachbereiches Medien, Kunst und Industrie am 9./10. März 2019 in Berlin. Der neu gewählte Vorstand des Jugendfachkreises (JFK) setzt sich aus jungen Leuten unter 28 zusammen, die aus sehr unterschiedlichen Berufen und Bundesländern kommen. – Keine Selbstverständlichkeit, wenn man weiß, dass sich das Jugendgremium erst in den letzten zwei Legislaturperioden erfolgreich in diese Richtung entwickeln konnte.

    Zur positiven Bilanz gehören jährliche branchenspezifische Seminare für die Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV) und erstmalig auch eine JAV-Konferenz 2016. In Empowerment-Workshops ging es um das eigene Selbstverständnis und Organizing: Wie können Kolleginnen/Kollegen angesprochen werden, wo sind Potenziale für Jugendarbeit, wo Möglichkeiten der Vernetzung? Da ver.di eine große, nicht so leicht durchschaubare Organisation sei, »wurden drei Videoclips gedreht«, berichtete Stani, der mit Maxi und Simon die Konferenzleitung übernommen hatte. In den originell gestalteten Filmen wird dem Hauptprotagonisten Basti die Gewerkschaft ver.di erklärt und wie man sich in Jugendgremien und in der JAV-Arbeit einbringen kann.

    Mit einem selbst erarbeiteten »Jugend-Aktivierungskonzept« trat der JFK vor allem auch an die hauptamtlichen Gewerkschaftssekretärinnen/-sekretäre im Fachbereich heran und warb für mehr Unterstützung in der Jugendarbeit. Die Handlungshilfe ist als Muster für erfolgreiche Jugendarbeit angelegt, kann jedoch jederzeit anlassbezogen und betriebsindividuell angepasst werden. Mit einem später einstimmig angenommenen Antrag wollte die Konferenz sicherstellen, dass sie auch künftig im gesamten Fachbereich Anwendung findet.

    Fachbereich Medien, Kunst und Industrie der ver.di Murat Tueremis Fachbereichsjugendkonferenz 2019  – Der »alte Hase“« Stani

    Kritisch konstatiert wurde, dass sich der Kreis der Aktiven, die vor allem aus Hessen, Berlin und NRW kamen, im Laufe der Zeit schnell verkleinerte. Ursachen dafür waren altersbedingtes Ausscheiden, aber auch Berufs- und Statuswechsel oder thematisch entferntes Studium. Zugleich sei es leider nicht gelungen, Kolleginnen/Kollegen aus bis dato nicht vertretenen Landesbezirken oder Betrieben dauerhaft für eine Mitarbeit auf Bundesebene zu gewinnen, heißt es im Geschäftsbericht. Enttäuschung gab es, als Vorschläge für Kampagnen zur Bundestagswahl 2017, etwa zur Arbeitszeitverkürzung, als »nicht Euer Ding«, sondern als Sache der DGB-Jugend zurückgewiesen wurden. Die Lehre daraus: »Wenn ihr was machen wollt, dann tut es!«, wandte sich der »alte Hase« Stani an den potenziellen neuen JFK. Er ist mit 28 zu alt und muss deshalb satzungsgemäß ebenso wie Simon und Maxi ausscheiden. Die Kritik, dass es bei ver.di zu wenige direkte Ansprechpartnerinnen/-partner für die Jugendlichen gebe, zog sich durch die gesamte Diskussion, wohlwissend, dass die Gewerkschaftssekretärinnen(-sekretäre besonders in Tarifauseinandersetzungen hart am Limit arbeiteten.

    Verständnis dafür kam von Christoph Schmitz, dem designierten Leiter des künftig aus den Branchen Telekom/IT, Ver- und Entsorgung, Finanzdienstleistungen und Medien, Kunst und Industrie entstehenden neuen Fachbereichs A. Versprechen konnte er jedoch nichts. Das traf auch für den einstimmig angenommen Antrag der Konferenz zu, im neuen Bereich ein Jugendsekretariat zu schaffen. Dennoch sei mit der geplanten zusätzlichen Jugendsekretärin ein Schritt in diese Richtung gemacht.

    Es gehe in den nächsten vier Jahren darum, die unterschiedlichen Ansätze der Jugendarbeit der verschiedenen Bereiche zusammenzuführen, gemeinsame Strukturen in allen gewerkschaftlichen Themenfeldern zu entwickeln, gleiche Probleme regional leichter lösen zu können. Beispielsweise werde kollektive Betriebsarbeit gezielt ein Thema sein, so Schmitz. »Da kommt es auf Euch an, trotz des einen oder anderen ausharrenden ‚Dinos‘ (Bezeichnung der Jugendlichen für ältere Gewerkschafterinnen/Gewerkschafter, Anm.d.R). Wenn ihr nicht mitgestaltet, wird es nicht funktionieren«, sagte Schmitz. Das sei »Work in progress«, das passiere nicht in den Gremien, sondern im Lande. »Deshalb sind wir auf Euren Input angewiesen. Wenn ihr etwas ausprobieren wollt, wenn ihr neue Formate braucht, um den Leuten zu zeigen, wie cool ver.di ist, dann macht das!« Mit der Fusion verändere sich viel und das schaffe viele Möglichkeiten. »Tretet mir auf die Füße, macht Druck, es ist Eure Gewerkschaft«, forderte Schmitz die Konferenzteilnehmerinnen/-teilnehmer auf.

    Fachbereich Medien, Kunst und Industrie der ver.di Murat Tueremis Fachbereichsjugendkonferenz 2019  – Der stellvertretende ver.di-Vorsitzende und Leiter des Frank Werneke

    Es sei in letzter Zeit besser gelungen, Auszubildende für ver.di zu gewinnen, beispielsweise in den Theatern, aber auch im Rundfunk, sagte Frank Werneke, stellvertretender ver.di-Vorsitzender. Im September wird er auf dem Bundeskongress für den ver.di-Vorsitz kandidieren. Für die Zukunft von ver.di sehe er einen Schwerpunkt darin, die Jugendarbeit flächendeckend zu organisieren. Deshalb sei das auch ein wichtiger Inhalt bei der derzeitigen Qualifizierung der Gewerkschaftssekretärinnen/-sekretäre. Jedoch sei gute Jugendarbeit nicht allein davon abhängig, dass es überall Jugendsekretärsstellen gebe. So sei man beispielsweise in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt auch sehr gut ohne sie unterwegs. Dort sei geprüft worden, wo es Potenzial gebe, man habe dann den MDR ausgemacht und sich dort einen Schwerpunkt gesetzt – mit Erfolg.

    Interessant auch die Debatte über die Bezeichnung der wahrscheinlich fünf künftigen ver.di-Fachbereiche. Mit dem angenommenen Antrag, ihnen die Namen der Harry Potter-Häuser zu geben, wolle die Jugend des Fachbereiches Medien, Kunst und Industrie eher provozieren und die Diskussion in den anderen Gremien anregen als auf witzigen Bezeichnungen zu bestehen, hieß es.

    Die Frage laute, was wichtiger sei: die »Marke« ver.di als Überbau und zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls zu profilieren oder die Kleinteiligkeit und direkte Berufszugehörigkeit zu fördern, um näher bei den Einzelnen zu sein und ver.di leichter zugänglich zu machen. Die Meinungen gingen hier auseinander und wurden dem neu gewählten Vorstand als Fragestellung mit auf den Weg gegeben. Dennoch brachte es Tobias aus Baden-Württemberg auf den Punkt. Er verwies, wie Simon und andere zuvor auch, auf die großen politischen Veränderungen in der Gesellschaft. Deshalb sei es wichtig, zusammenzustehen. »Und zudem schließe ja das eine das andere nicht aus.«

    Ein Artikel von Bettina Erdmann und Karin Wenk aus M-online.