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    Jahr der Kultur 2021: Beteiligt Euch!

    Jahr der Kultur 2021: Beteiligt Euch!

    Demokratierelevant mit Hartz IV?
    (Auch) Künstlerinnen und Künstler brauchen mehr als Applaus und warme Worte!

    Schon vor der Corona-Krise lebten viele Künstlerinnen und Künstler in unsicheren Verhältnissen. Die Politik hat diesen teils prekären Zustand jahrelang geduldet – offenbar herrscht in deren Köpfen noch immer das romantische Bild vom »armen Poeten«. Nun zwingt die Coronakrise aber auch Künstlerinnen und Künstler, die vor der Krise von ihrer Tätigkeit leben konnten, in die Grundsicherung. Doch auch wenn die Politik den erleichterten Zugang zur Grundsicherung als enorme Leistung feiert, ist das für die Betroffenen bestenfalls eine Notlösung.

    Und während neue Onlineangebote, in denen sich Künstlerinnen oder Künstler präsentieren können, mit viel Begeisterung sowohl von Seiten der Medien, als auch der Politik, gelobt werden, spricht niemand über die (unzureichende oder ganz fehlende) Bezahlung der dort angebotenen Kunst. Gleichzeitig erklären Politikerinnen und Politiker aller Parteien immer wieder, wie fundamental wichtig die Kultur für unsere Demokratie sei. Die aufgelegten Soforthilfe-Programme der Länder haben ohne Frage vielen Künstlerinnen und Künstlern über die ersten Monate der Pandemie hinweg geholfen, waren aber nach kurzer Zeit ausgeschöpft bzw. nicht auf die Arbeitsbedingungen von Soloselbstständigen zugeschnitten, ebenso wenig wie das von Kulturstaatsministerin Monika Grütters gestartete Programm »Neustart Kultur«. Dieses Programm fördert zwar Institutionen, die selbstständigen Kreativen werden aber auch darin nicht berücksichtigt.

    Für das kommende Jahr ist selbst bei einem möglichen Ende der Pandemie und der Wiederaufnahme des Kulturbetriebs mit weiteren Verschlechterungen zu rechnen, denn Selbstverpflichtungserklärungen zum Erhalt von Kulturangeboten sind in Ländern und Gemeinden wegen der aktuell wegbrechenden Steuereinnahmen kaum zu erwarten, und Kultur gehört noch immer nicht zu den staatlichen Pflichtaufgaben sondern kann und muss nach den Grundsätzen als »freiwillig« zuvorderst gestrichen werden.

    Wir, die in ver.di organisierten professionellen Kulturschaffenden, wollen die ständige Diskrepanz zwischen Sonntagsreden und Montagshandeln der Politik nicht länger hinnehmen und erklären deshalb das Jahr 2021 zum »Jahr der Kultur« – gerade jetzt, in einer Zeit, in der alle besonders merken, wie sehr ihnen kulturelle Veranstaltungen fehlen und in der uns die gedruckten oder gesendeten Werke und Interpretationen durch die Zeit helfen.
    Jetzt ist es an der Zeit, auf politischer Ebene im Umgang mit uns Kulturschaffenden grundlegend etwas zu ändern und den lobenden Worten endlich auch Taten folgen zu lassen, die die gesellschaftliche Leistung der Kreativen wirklich anerkennen, ob in Corona-Zeiten oder danach.

    Deshalb regen wir an, ab Herbst 2020 bundesweite Aktionen durchzuführen, um im »Jahr der Kultur 2021« unüberhörbar und unübersehbar weiterhin auf unsere Situation aufmerksam zu machen.
    Wir sind nicht damit einverstanden, dass Künstlerinnen und Künstler dauerhaft in Hartz IV gedrängt werden!
    Wir sind nicht damit einverstanden, dass wir uns weiterhin um befristete Corona-Stipendien bewerben müssen, um überhaupt noch »Einnahmen« zu erzielen!
    Wer als »demokratierelevant« bezeichnet wird, sollte nicht dauerhaft von Hartz IV leben müssen, sondern hat auskömmliche Honorare und eine angemessene soziale Absicherung verdient!

    Dem drohenden Kultur-Kahlschlag können wir am besten gemeinsam etwas entgegensetzen. Deshalb suchen wir aktive Kulturschaffende, die sich – auch als Nichtmitglied in ver.di – mit uns solidarisieren möchte und Lust haben, ehrenamtlich ihre Ideen und Kreativität digital oder analog mit in unsere Kampagne zum »Jahr der Kultur 2021« einzubringen. Wir wollen ver.di als Plattform unserer Interessenvertretung stärken. Wer den Künstlerinnen und Künstlern mit uns gemeinsam Gehört verschaffen will, ist herzlich eingeladen, sich einzubringen. Ideen, Vorschläge für Aktionen und die Bereitschaft sich zu beteiligen könnt Ihr gerne bei kunst@verdi.de anmelden.

    Mit kollegialen Grüßen

    A. Bossen  |  L. Falkenhagen  |  L. Mueller-Morenius  |  M. Staudt  |  G. Scheinpflug
    Eure Vertreterinnen/Vertreter in der ver.di-Arbeitsgruppe Kunst und Kultur

    Der Aufruf ...

    Fachbereich Medien, Kunst und Industrie der ver.di
    © ver.di

    ... der Arbeitsgruppe Kunst+Kultur der ver.di vom 20. August 2020 kann als pdf-Datei hier geladen werden: