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    Miteinander denken und diskutieren

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    Frau macht Zukunft

    5. Bundesfrauenkonferenz des ver.di-Fachbereichs Medien, Kunst und Industrie

    Bilanz gezogen und Perspektiven erörtert hat am 9. und 10. März 2019 im Berliner ver.di-Haus die Bundeskonferenz der Frauen im Fachbereich Medien, Kunst und Industrie. Dass man angesichts enormer gesellschaftspolitischer Herausforderungen zusammenstehen müsse, war dabei ein Fazit, zu die Konferenz gelangte.

    Zwischenetappe im Konferenzmarathon des ver.di-Wahljahres: Zur 5. Bundesfachbereichskonferenz der Frauen Medien, Kunst und Industrie am 9. und 10. März 2019 in der ver.di Bundesverwaltung war Rückblick und Ausschau zu halten. Zwar sind frauenpolitische Themen in Politik und öffentlichen Diskussionen deutlich wahrnehmbar. Doch zu reden war unmittelbar nach dem Weltfrauentag über ernüchternde Realität und notwendige Veränderung.

    Fachbereich Medien, Kunst und Industrie der ver.di Murat Tueremis Fachbereichsfrauenkonferenz 2019  – Bundesvorstand der Frauen im Fachbereich, v.l.n.r.: Franziska Schneider, Ayse Tekin, Ute Kaiser, Walburga Rempe-Baldin, Ulrike Gruner, Alexandra Schuler, Regina Fischer | Nicht auf dem Foto: Elke Barbato, Gabriele Altmeppen

    Der Geschäftsbericht 2015-2018 – vorgestellt von Brigitte Zielinski-Luplow – umriss die Probleme, die die Frauen des so vielfältig aufgestellten Fachbereichs in der zurückliegenden Legislaturperiode bewegten und wofür sie sich stark gemacht haben: Lebens- und Arbeitssituation Selbstständiger; Entgeltungleichheit von Frauen schon bei Bewerbung und Eingruppierung – Einkommensunterschiede zu Männern liegen seit 2000 unverändert zwischen 21 und 23 Prozent; freiberufliche Frauen verdienen bis zu einem Drittel weniger, ihre Rentenansprüche liegen oft unter der Grundsicherung; ernüchternde Erfahrungen von Lohnungerechtigkeit, das Entgelttransparenzgesetz ist praktisch kaum anwendbar; instabile Arbeitsplätze, Ausgliederungen, Betriebsschließungen; bessere Lösungen als bedingungsloses Grundeinkommen – Arbeitsmarkt und Sozialsysteme reformieren; geschlechtergerechte Gremienbesetzung.

    Seit 70 Jahren steht die Gleichberechtigung im Grundgesetz, doch die Realität sieht anders aus. Zielinski-Luplow verwies auf Erhebungen des Weltwirtschaftsforums zu Chancengleichheit von Frauen, politischer Mitwirkung, Bildungsniveau und Zugang zu medizinischer Versorgung. Danach landete Deutschland im weltweiten Ranking auf Platz 14. Gingen Veränderungen in diesem Tempo weiter, würde es 108 Jahre bis zur vollen Gleichstellung brauchen. »Wir können keine 108 Jahre warten«, so Zielinski-Lupow, »wir müssen Verbesserungen vorantreiben. Gewerkschaften haben es mit in der Hand, existenzsichernde Bedingungen und Chancengleichheit durchzusetzen.«

    Fachbereich Medien, Kunst und Industrie der ver.di Murat Tueremis Fachbereichsfrauenkonferenz 2019  – Ayse Tekin aus dem ver.di-Landesbezirk NRW ist auch Vorsitzende des Gesamtpersonalrats bei der Deutschen Welle

    Mehr reden, mehr fordern

    Die Diskussionen der Delegierten und Gäste aus den ver.di-Landesbezirken berichteten von (immer noch) schwer zu überwindenden Hürden, wollen Frauen gleiche Bezahlung einfordern, Beruf und Familie vereinbaren und eine Karriere anstreben. Schwerpunkte setzen, Dringliches mit Nachdruck einfordern, sich vernetzen, darum ging es deshalb beim Open-Space-Workshop »Frau macht Zukunft«. Im »Marktplatz« wurden Ideen zusammengetragen und vier Themen letztlich erörtert: Lohngerechtigkeit und Gleichheit in Tarifverträgen; prekäre Beschäftigung, bedingungsloses Grundeinkommen und Armut im Alter; Work-Life-Balance – 30 Stunden Regelarbeitszeit für alle; ver.di verjüngen – Gewerkschaft muss sich in Schulen und auf Bildungsmessen vorstellen.

    Verabschiedet und weitergeleitet an die Bundesfrauenkonferenz wurde ein Initiativantrag zur Nachbesserung des § 219 a, wonach Schwangerschaftsabbrüche wieder in die ärztlichen Lehr- und Ausbildungspläne aufzunehmen seien und das Werbeverbot dafür zu entkriminalisieren sei. »Wir sind eine politische Macht und müssen als solche wahrgenommen werden«, unterstrich Ayse Tekin vom Landesbezirk NRW. »Wir wollen Politik gestalten.«

    Volles Programm, voller Verantwortung

    Frank Werneke, stellvertretender ver.di-Vorsitzender und Bundesfachbereichsleiter, machte Mut mit Erreichtem und umriss für die Zukunft »ein volles Programm«. Der Abschluss von acht Prozent im öffentlichen Dienst sei auch bundesweit 40.000 Streikenden zu verdanken, im Fachbereich Medien, Kunst und Industrie profitierten davon Theater und Bühnen. Zum Status Quo lasse sich sagen, dass der Fachbereich dank eines guten Mitgliederzuwachses »in aufgeräumter Stimmung« unterwegs sei.

    Mit Blick auf den ver.di-Bundeskongress im kommenden September stellte Werneke zwei Themen von gesellschaftlicher Brisanz in den Mittelpunkt: das Wiedererlangen der Tarifmächtigkeit sowie Rente und Altersversorgung. In der Privatwirtschaft seien im Westen nur noch 56 Prozent der Arbeitsplätze tariflich geschützt, im Osten 40 Prozent. Zwischen 15 bis 20 Prozent werde in nicht tarifgebundenen Betrieben weniger verdient, trotz Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband agierten viele Unternehmen ohne Tarif. »Gemeinsam mit dem DGB werden wir Tarifbindung und Stabilisierung von Flächentarifverträgen zum Schwerpunkt machen«, sagte Werneke.

    Beim Thema Altersversorgung sei das derzeitige Rentenniveau zwar bis 2025 gesichert, aber was komme danach? »Das treibt uns um«, sagte Werneke, der anhand von Rentenbeispielen die Situation skizzierte. Bei vergleichbaren Erwerbsbiografien lägen Renten für Männer im Westen demnach bei 1.070 Euro, im Osten bei 1.034 Euro. Frauen Ost bekämen 936 Euro, Frauen West 671 Euro. »Jahrelang eingezahlt und dennoch schlecht abgesichert ist ein Riesenproblem«, so Wernekes Fazit. Bei der solidarischen Grundrente sei zu fragen, ob diese mit oder ohne vorheriger Bedürftigkeitsprüfung gewährt werden solle: »Alles offen legen zu müssen, ist entwürdigend.« Außerdem forderte der ver.di-Vize, dass Selbstständige in die Rente einbezogen werden.

    Fachbereich Medien, Kunst und Industrie der ver.di Murat Tueremis Fachbereichsfrauenkonferenz 2019  – Der designierte Leiter des neuen Fachbereichs A Christoph Schmitz

    Verändern und verbessern

    Christoph Schmitz, derzeit Sekretär des ver.di-Bundesvorstands und Leiter der Grundsatzabteilung sowie designierter Bundesfachbereichsleiter des neuen Fachbereichs A, erläuterte die bevorstehende Fusion der Fachbereiche Finanzdienstleistungen (FB1), Ver- und Entsorgung (FB2), Medien, Kunst und Industrie (FB8) sowie Telekommunikation, Informationstechnologie, Datenverarbeitung (FB9). Mit dieser Fusion reagiere man auf die dramatischen Veränderungen in den Branchen, neue, branchenübergreifende Berufen und die zunehmende Heterogenität. »Mit all dem hat der Fachbereich Medien schon länger zu tun und bietet Ansätze für Lösungen.« Schmitz nannte als Beispiel digitale Kommunikationsplattformen, mit denen Geld gemacht werde, wo Arbeitnehmerrechte aber weitgehend unbekannt seien. Dem Fachbereich sei es gelungen, Freiberufler anzusprechen und einzubeziehen. »Wir müssen uns auf die Veränderungen der Arbeitswelt und Lebenswirklichkeit einstellen, den Blick über den Tellerrand richten.«

    Es ginge bei der Zusammenarbeit im neuen Fachbereich vor allem um Austausch bei übergreifenden Fragen wie der Tarifpolitik. »Wir konzentrieren uns auf die fachliche Arbeit.« Und dabei werde es selbstverständlich weiter Ansprechpersonen für Frauenthemen geben. »Es wird sich nicht alles grundlegend ändern, sondern soll gut weitergehen«, entgegnete Schmitz Besorgnissen und verkündete als Leitfaden: Miteinander denken und diskutieren, sich gegenseitig unterstützen und nicht gegeneinander ausspielen lassen. »Wir alle stehen vor großen Herausforderungen.«

    Ein Artikel von Bettina Erdmann und Karin Wenk aus M-online.