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    Gerechtere Arbeit in der Kulturellen Bildung

    Gerechtere Arbeit in der Kulturellen Bildung

    Erläuterungen
    zu den Forderungen der Arbeitsgruppe Kunst und Kultur der ver.di

    Bereich Medien, Kunst und Industrie der ver.di Ch.v.Polentz | transitfoto Projekt »Mitmach Musik«  – Speziell Kinder mit Migrationshintergrund werden im Berliner Projekt außerschulisch von Profis angeleitet.

    Gerechte Arbeitsbedingungen in der Kulturellen Bildung fordert ver.di. Die gewerkschaftliche AG Kunst und Kultur unter Leitung der gewählten Kunst- und Kulturbeauftragten hat dazu jetzt ein Papier mit acht klaren Forderungen vorgelegt. Scheinselbstständigkeit wird der Kampf angesagt, bessere Einkommen und Weiterbildungsangebote stehen ebenfalls obenan. Darauf zielt gewerkschaftlichen Arbeit. Die Forderungen sind aber auch an die Politik adressiert, sollen im Kulturbereich und darüber hinaus debattiert werden.

    Die kulturelle Bildung ist ein wichtiges Betätigungsfeld vor allem freier Künstlerinnen/Künstler und Kulturarbeiterinnen/-arbeitern fast aller Sparten. Das erfuhr die ver.di-Kulturbeauftragte Anja Bossen bereits kurz nach ihrer Wahl im Herbst 2019, als sie die ver.di-Kunstfachgruppen besuchte und sich dort über die jeweilige Situation informierte.
    Zahlen, wie viele Musikerinnen, Schriftsteller, Malerinnen, Schauspieler, Museums- oder Theaterpädagoginnen tatsächlich an Schulen, in Freizeiteinrichtungen, in Klubs und Vereinen mit Arbeitsgemeinschaften, Lesungen, Workshops oder Kursen zur kulturellen Bildung im weitesten Sinne beitragen, gab es allerdings nicht. Auch keine detaillierten Aussagen zu den Arbeits- und Einkommensbedingungen in diesem Bereich.
    »Bevor wir uns an eine genauere Analyse machen konnten, kam zunächst Corona. Während der Lockdowns hatten dann alle andere Sorgen«, erklärt Anja Bossen. Doch sei das Thema nicht vergessen worden.

    Spezifik und Gemeinsamkeiten

    Sobald es ging, im Herbst 2021, startete ver.di dann eine umfassende Umfrage mit dem Ziel, genauer herauszufinden: »Wer schafft wann und wo Kultur?« Anonym wurden Angaben zu den jeweiligen Arbeitsrealitäten erfragt. »Ein Ergebnis: ein beträchtlicher Anteil besonders freier Kreativer ist auch oder fast ausschließlich in der kulturellen Bildung tätig«, so Anja Bossen. Bei Musikern, speziell Musikschullehrern, sei das erwartbar gewesen. Aber auch bildende oder darstellende Künstlerinnen und Künstler, Schriftsteller und Autorinnen erzielten nach eigenen Angaben einen nicht geringen Teil ihrer Einnahmen in der kulturellen Bildung. »Wir erfuhren darüber hinaus von teils prekären Arbeitsbedingungen, von Scheinselbstständigkeit, befristeten Honorarverträgen, die trotz langjähriger Tätigkeit in der gleichen Einrichtung vielfach jährlich neu errungen werden müssen. Und davon, dass keine Honoraruntergrenzen existieren«, so die ver.di-Kulturbeauftragte.

    Fachbereich Medien, Kunst und Industrie der ver.di Ch.v.Polentz | transitfoto.de Dr. Anja Bossen  – Kunst- und Kulturbeauftragte der ver.di

    Man habe sich mit der inzwischen bei ver.di geschaffen AG Mindesthonorare kurzgeschlossen, für die die kulturelle Bildung ebenfalls einen Teil ihres Wirkungsbereichs bildet. »Es geht uns ja um verbindliche und branchenspezifische Mindesthonorare. Diese Forderung haben wir auch in einer Arbeitsgruppe des Fachausschusses Bildung im Deutschen Kulturrat erfolgreich eingebracht. Wie wichtig sie ist, erleben wir zum Beispiel im Land Brandenburg, wo zwar Mindesthonorare beschlossen wurden, die aber mit zahlreichen Ausnahmegenehmigungen durch die Politik selbst torpediert werden«, so Anja Bossen. Der branchenspezifische Aspekt habe sich klarer herauskristallisiert, nachdem die AG Kunst und Kultur in den ver.di-Kunstfachgruppen auch die speziellen Probleme abgefragt hatte.

    Mit Blick in die Zukunft

    Anja Bossen verdichtete alle Erkenntnisse und formulierte Forderungen dann in einem ersten Arbeitspapier, das weiter debattiert und schließlich in der Sitzung der ver.di-AG Kunst und Kultur Ende März 2022 beschlossen wurde. Einig war man sich dort auch, mit den Forderungen an die Öffentlichkeit zu gehen, an Verbände wie die Bundesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ), an soziokulturelle Vereinigungen, aber auch an Landes- und Bundesministerien für Kultur und Bildung heranzutreten.
    »Auf Nachfrage habe ich zum Beispiel vom Bundesministerium für Bildung und Forschung erfahren, dass für das dortige Programm „Kultur macht stark“ Mindesthonorare gelten, die zwischen 50 und 75 Euro für 45 Minuten liegen und sich damit durchaus sehen lassen können«, so Anja Bossen. »Im Gegenzug werden wir das Bundesministerium nun über unseren Forderungskatalog informieren.« Das sei auch deshalb wichtig, da bekanntlich ab 2026 ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an deutschen Grundschulen gilt. Aktivitäten in Sachen kultureller Bildung dürften dadurch sicher einen zusätzlichen Schub erhalten. Auch in den Bundestag und die Landesparlamente solle mit den ver.di-Forderungen hineingewirkt werden. »Dabei erhoffen wir uns auch Unterstützung und Ideen aus den ver.di-Landesfachgruppen«, so Anja Bossen.

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