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    „European Mobility Atlas“ vorgestellt

    „European Mobility Atlas“ vorgestellt

    Heinrich-Böll-Stiftung stellt Fakten und Infografiken zu Verkehr und Transport in Europa zusammen

    In einer Online-Konferenz hat die Heinrich-Böll-Stiftung am 3. Februar 2021 von ihrem Brüsseler EU-Sitz aus den neuen „European Mobility Atlas“ vorgestellt. Auf 52 Seiten sind hier Daten und Fakten in Aufsätzen und Infografiken versammelt zu den verschiedenen Verkehrsarten wie Fliegen, Autofahren, Bahn, Schifffahrt und Radfahren. Dazu gibt es historische Betrachtungen, Blicke auf den grenzüberschreitenden Verkehr, die Produktionen wie Autobau und Radfertigung. Betrachtet werden die Transportkosten, städtischer und ländlicher Verkehr, digitale Verknüpfungsmöglichkeiten, „Dieselgate“, der Einfluss der Covid-19-Pandemie und die Zukunft der Mobilität. Dabei zeigen Beispiele guter Praxis, etwa Kopenhagen als erfolgreiche Radler-Stadt, Wege aus der Gegenwart für die Zukunft.

    „Wenn wir mit grüner Mobilität ernst machen wollen, müssen wir auf die europäische Ebene gehen“, begründete die Präsidentin der Heinrich-Böll-Stiftung, Ellen Ueberschär, warum die Böll-Stiftung nach einem deutschen Mobilitätatlas nun auch einen europäischen Verkehrsatlas herausgibt. Für eine „grüne Mobilität“ werden die Investitionen in die europäischen Bahnen entscheidend sein.

    2021: Das EU-Jahr der Schiene

    Folgt man den Autoren Martin Keim und Philipp Cerny sowie den Diskussionsteilnehmer*innen der Vorstellungsrunde, dann ist die Schiene der Favorit der Zukunft. Was die Europäische Union offenbar auch so sieht, denn dieses Jahr hat die EU zum „Jahr der Schiene“ ausgerufen. Und der Liebling der befragten Verkehrsexpert*innen ist der Nachtzug, den die Deutsche Bahn abgeschrieben hatte und der jetzt bei der österreichischen ÖBB europaweit wieder auf die Schiene gesetzt wird – sehr zu Freude der österreichischen Klima- und Verkehrsministerin Leonore Gewessler von den Grünen. Sie kündigte an, dass ihre Regierung, eine Koalition der konservativen ÖVP des Kanzlers Sebastian Kurz und der Grünen, die Besteuerung von Kraftstoff neu regeln wolle. „Ein großes Projekt unserer Regierung“, was auch den Tanktourismus nach Österreich beenden würde.

    Dabei, so Keim, solle das Auto, seit rund 100 Jahren das alles bestimmende Verkehrsmittel, nicht völlig verbannt werden, sondern dort eingesetzt, wo es sinnvoll ist, zum Beispiel in den ländliche Regionen. Wünschenswert, so der Tenor der Veranstaltung, wären dann aber mehr Umsteigemöglichkeiten, Park-and-Ride-Systeme, am Stadtrand. Denn innerhalb der Stadt werde das Automobil zunehmend und gewollt überflüssig. In großen Städten wie Berlin sinkt die Zahl der Haushalte mit eigenem Auto.

    Kommunen wie Frankfurt am Main oder Karlsruhe experimentieren übrigens mit Güter-Straßenbahnen. In Dresden wurde die Cargotram von VW zu ihrer Gläsernen Manufaktur allerdings nach 20 Jahren Ende 2020 eingestellt. Dennoch ist dies sicher ein Aspekt, der künftig im „European Mobility Atlas“ weiter verfolgt werden könnte. Denn die Arbeit ist mit dem Erscheinen nicht beendet, wurde bei der Vorstellung versprochen. Neue Aspekte und Infografiken sollen weiterhin entwickelt und auf die Seite gestellt werden.

    Liebling Nachtzug

    „Using the Nighttrain“, dieser Ausdruck fiel immer wieder bei der Vorstellung des englischsprachigen Mobilitätsatlasses, der bald auch in anderen Sprachen erscheinen soll. Auch Matthew Baldwin von der EU-Kommission, Anna Deparnay-Grunenberg, Europa-Abgeordnete von den Grünen, und Jill Warren von der „European Cyclists‘ Federation“ sprachen sich für mehr Bahnnutzung bei inländischen und kontinentalen Wegstrecken aus. Baldwin sah im österreichischen Nachtzug ein Vorbild, ebenso im vertakteten Bahnsystem der Schweiz. Die Zukunft in der Stadt werde mehr von bevorzugten Fuß- und Radwegen geprägt werden, meinte Warren von den organisierten Radfahrer*innen, Lastenräder würden zunehmend kurze Transportstrecken übernehmen. Vorhersage aller: Der wichtige Gütertransport per Schiff könne dekarbonisert werden. Die konsequente Reduzierung des CO2-Ausstoßes im Verkehr sei der politisch und technologisch machbare Weg im Rahmen des ausgerufenen „European Green Deal“.

    Der Europäische Mobilitätsatlas kann hier heruntergeladen oder als Printversion bestellt werden: [Link]

    Dort ist auch ein kurzes Video zur Einführung anklickbar oder hier direkt bei Youtube zu sehen: [Link]

    Für Deutschland ist im November 2019 der „Mobilitätsatlas – Daten und Fakten für die Verkehrswende" der Böll-Stiftung zusammen mit den Verkehrsclub Deutschland (VCD) erschienen und hier vorgestellt worden: [Link]

    Mehr zum Thema "Mobilität der Zukunft" gibt es im nächsten Industrie-Report/mti-Info.

    Susanne Stracke-Neumann